Witterungsbericht November 2003

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Im letzten Herbstmonat des Jahres 2003 aktivierten sich die schon lange sichtbaren, alten Zirkulationsmuster, d.h. Blockierungslagen über Mittel- und Osteuropa sorgten für Zufuhr meist milder Luftmassen und die Niederschläge blieben weit unter den Erwartungswerten.

Für Zenting-Daxstein bedeutete dies, dass die Monatsmitteltemperatur fast identisch mit der des Oktober war (4,8 gegen 4,6°C). Eine solche Synchronität hat es seit 1891 im Bayerischen Wald noch nie gegeben. Häufige Föhnlagen führten zur Temperaturumkehr, vor allem vom 21. bis 24.11. lag das Maximum täglich über 10 °C und am 27. erreichte das Temperaturmittel fast die 10°-Marke. 

Die Niederschläge waren, bis auf den 28., kaum der Rede wert, und so wurde der Wassermangel zum Thema für die Bewohner des Bayerischen Waldes, weil gerade in Dörfern, die nicht an die allgemeine Wasserversorgung angeschlossen sind, die Quellen und Brunnen immer häufiger versiegen. In Daxstein gab es den trockensten November seit 1978 und die aufsummierte Jahresniederschlagsmenge hat am 30.11. erst 842,0 mm erreicht (bei einer normalen Summe von 1222 mm, das sind erst 69 % im Jahr 2003). Nur zwei Jahre waren bislang im Gesamtergebnis noch trockener: 1953 (794 mm) und 1972 (839 mm). Für München lauten die entsprechenden Werte 613 mm (2003) bei einer Normalmenge bis 30.11. von 932 mm. Noch weniger Niederschlag fiel im November im Raum Passau (10 mm). Von dieser Station ist die entsprechende Grafik der monatlichen Novemberniederschlagsmengen seit 1879 zu sehen: der trockenste November war der von 1920 (1,2 mm), der nasseste 1947 (199 mm).

Herausragendes Ereignis des Monats war das Nordlicht vom 20.11. In Daxstein war es nur oberhalb einer Nebelschicht, die etwa bis 750 m reichte, zu sehen. Der Beobachtergarten lag im dichten Nebel, aber nur 30 m höher konnte man von 22.15 bis 22.45 Uhr ein wunderschönes Polarlicht in den Farben rot-weiß sehen. Im übrigen herrschte an 12 Tagen Nebel und an 6 Tagen waren die Alpen gut zu betrachten.

Die Herbstbilanz gestaltete sich im Bereich der Temperatur wenig auffällig: 7,5°C (Abw. + 0,3 K). Dagegen fiel deutlich zu wenig Niederschlag: 225,2 mm (nur 76 % des Normalen).

Herausragend an einzelnen Tagen im November 2003 waren die hohen Temperaturen und starke 24stündige Niederschläge südlich des Alpenhauptkamms. Beginnen wir mit Letzterem:

1.11. Dellach/Drau 100 mm

Reisach 100

Badgastein 82

8.11. Kötschach-Mauthen 66

26.11. Zell-Pfarre/Kärnten 120,8

27.11. Mosogno/Tessin 94

Am 21.11. übertraf am Hohenpeißenberg die Tagesmitteltemperatur mit 12,9°C den bisherigen Höchstwert von 1810 um 1,1 K und tags darauf wurde der höchste Wert von 1947 genau egalisiert (12,0°C).

Besonders warm war die Föhnlage am 23.11., als im Allgäu, im Fürstentum Liechtenstein und in der Ostschweiz die Maxima teilweise die 20-Grad-Marke überschritten:

Feldkirch 21,3°C

Vaduz/FL 20,6

Schwyz 20,5

Fischen/Allgäu 20,5

Glarus 20,1

Oberstdorf 20,1

Am 4.11. ging die relative Luftfeuchtigkeit in den Gipfellagen der Schweizer Alpen auf 4 bis 7 % zurück und zwei Tage später meldete der Brocken sogar nur 2 %, der Wallberg 3 %.

Im Norden und Westen der Bundesrepublik trat heuer der seltene Fall ein, dass der November im Mittel wärmer als der voraufgegangene Oktober war. Leider kann ich nicht mit genauen Werten dienen, da es der DWD bis zum 13.12. nicht geschafft hat, seinen Witterungsreport Express (!!!) fristgerecht auszuliefern. Spitze sind hier allein die Bezugsgebühren, mit der Qualität des Service hapert es immer wieder. Zurück zum Phänomen wärmerer November: im 18. Jahrhundert gab es diese Erscheinung häufiger als in den letzten 100 Jahren, wie folgende Übersicht zeigt:

Berlin, Okt. 1881 6,5°, Nov. 7,0°

Hannover, Okt. 1951 7,3°, Nov. 8,2°

Emden, Okt. 1899 8,4°, Nov. 8,7°

Kleve, Okt. 1899 8,4°, Nov. 8,7°

Okt. 1881 6,1°, Nov. 7,7°

Bremen, Okt. 1881 5,7, Nov. 7,1°

Besonders in Sachsen übertraf die Sonnenscheindauer die langjährigen Mittelwerte in extremer Weise, so dass etwa in Dresden-Klotzsche mit 123 Stunden der sonnigste November der Messreihe (ab 1905) erreicht wurde. Die entsprechende Grafik habe ich angefertigt. Anzumerken ist noch, dass 1902 in Chemnitz im November sogar 130 Stunden gemessen wurden (heuer dort 116 Stunden).

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 13.12.2003

Letzte Aktualisierung 15.12.2003
Durch Wolfgang Webersinke