Witterungsbericht September 2003

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Nach dem ganz und gar außergewöhnlichen Sommer verlief der September 2003 in wesentlich gemäßigteren Bahnen, wenn auch die Sonne oft schien und der Niederschlag weiterhin zu gering blieb.

In Zenting-Daxstein war von großer Hitze nichts mehr zu spüren, wie immer im September gab es keine Sommertage mehr, aber auch die nächtliche Abkühlung hielt sich in Grenzen. Wie in den Vormonaten traten längere niederschlagsfreie Phasen auf (vor allem ab dem 14.), der Hauptniederschlag fiel vom 9. bis 11.9. (43 mm). Von Anfang Januar bis Ende September sind in Daxstein nur 667 mm gemessen worden, das sind nur 65 % der normalen Menge, lediglich dreimal seit 1876 ist in diesem Zeitraum noch weniger vom Himmel gekommen:

1. 1911 584 mm

2. 1947 604

3. 1972 630

Stark übernormal war dagegen die Zahl der heiteren Tage. Trotzdem kam es am 11.9. zum ersten völlig sonnenscheinlosen Tag in Daxstein seit dem 2. April (161 Tage jeden Tag mindestens kurz Sonnenschein!). Außerdem gab es noch ein Gewitter am 9.9. sowie zwei Tage mit Nebel.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz verhielt sich das Wetter auch wesentlich weniger rekordverdächtig. Gleich am 3.9. traten in den nachtkalten Lagen die ersten Luftfröste des beginnenden Winterhalbjahres auf, u.a. in Zwiesel, Klingenbrunn/Bahnhof und Haidmühle. Besonders nach trockenen Sommern kommt es sehr schnell zu den ersten Frösten, wenn die Nächte länger werden und sich wegen der trockenen Luft kein Nebel bilden kann, so dass sich die Luft ungehindert abkühlt.

Vom 19. bis 22.9. steigerte sich die spätsommerliche Wärme zu einem letzten Hitzehöhepunkt:

19.9. Mannheim/Flpl. 32,0°C

20.9. Aachen 32,2

Bendorf 32,0

21.9. Altdöbern 31,2

22.9. Wien/H.W. 30,5

Jessen 31,7

Coswig 32,1

Die heißen Tage vom 22.9. waren vielerorts die spätesten an den betreffenden Stationen, z.B. in Berlin-Schönefeld oder in Wien/Hohe Warte.

Obwohl die Hitze in diesem September nicht mehr stark ausgeprägt war, reichte es dazu, dass nun auch im Gebiet des Oberrhein die Zahl der insgesamt heuer aufgelaufenen Sommertage und heißen Tage den bisherigen Rekord von 1947 übertraf: Karlsruhe 107 und 53 (bisheriger Höchstwert 1947 98 und 44; siehe auch die erstellte Grafik), Freiburg im Breisgau 108 und 55!

In der Zeit vom 8. bis 12.9. kam es in einigen Gegenden Deutschlands zu großen Tagesmengen des Niederschlags:

8.9. Emden 49,4 mm
Papenburg 59,5
10.9. Brocken 63,6
Schierke 64,5
Braunschweig 59,1
Braunlage 54,8
Gardelegen 35,5
11.9. Gera 62,6
12.9. Winklmoosalm 62,5
Rudolfshütte/Salzbg. 64

Die fett gedruckten Werte bedeuten die höchste Septembertagesmenge seit Stationseröffnung (Emden 1851, Braunschweig 1827, Gardelegen 1871). In Gera etwa gab es am 12.9.1952 schon 93,2 mm.

Diese örtlichen großen Niederschläge haben das Regendefizit insgesamt noch nicht gemindert, da z.B. in Augsburg im ganzen Monat nur 12 mm gefallen sind (siehe beigegebene Grafik); Nürnberg hatte nur 14,5 mm, zuletzt 1973 war es weniger, 1959 gar nur 2 mm.

Betrachtet man die Niederschlagsreihe von München (ab 1848) so liegt die 2003 von Januar bis Ende September gefallene Menge mit nur 472 mm (entspricht 58 % der Norm) ganz knapp an zweiter Stelle hinter 1870 (470 m), es folgen 1865 (476 mm) und 1875 (513 mm). Das trockenste Jahr der gesamten Messreihe war 1943 mit 606 mm. Nach der nassen ersten Oktoberdekade 2003 sind wir diesem Wert in München aber schon sehr nahe.

Aber auch beim Sonnenschein gibt es einen sehr hohen Überschuss. Am Beispiel München wird deutlich, dass 2003 bisher (bis 30.9.) schon 1896 Stunden Sonne gebracht hat (= 134 % der normalen Dauer!). Seit 1901 ist allein das Jahr 1934 noch sonniger gewesen (1917 Stunden), hinter 2003 kommen 1921 (1884 Std.) und 1947 (1811 Std.). Genf erlebte das sonnigste Sommerhalbjahr (=April mit September) seit mindestens 1897. 

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 11.10.2003

Letzte Aktualisierung 16.10.2003
Durch Wolfgang Webersinke