Witterungsbericht August 2003

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Die Krönung des diesjährigen Hitzesommers erfolgte durch den August: in weiten Teilen Frankreichs, Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wurden die Bestmarken früherer Monate – zum Teil sogar die des schon ganz außergewöhnlichen Juni 2003 – weit „in den Schatten gestellt“.

Wie immer beginne ich mit den Verhältnissen von Zenting-Daxstein . Der schon heiße August 1992 (Tm 19,7°C) wurde nochmals um 0,7 K übertroffen und nur der Juli 1994 hatte noch einen um 0,1 K höheren Wert zustande gebracht. Vom 3. bis zum 14. August war jeder Tag ein Sommertag und am 13. August überschritt das Quecksilber in Daxstein zum ersten Mal seit dem 9.8.1992 wieder die 30-Grad-Marke, ohne aber den damaligen Wert (31,0°C) zu erreichen. Die erste Monatshälfte (1. – 16.8.) hatte ein Temperaturmittel von 22,6°C. Übrigens war der letzte zu kalte August der im Jahr 1987!

Sonne und Hitze waren mit großer Trockenheit gepaart. Zwar gab es am 1., 2. und 4. noch kurze Wärmegewitter mit geringen Niederschlägen (insgesamt 6,0 mm), dann aber blieb es trocken und der Wassermangel machte sich in flacheren Erdschichten zunehmend bemerkbar (Birken, Ahorne und Buchen an ungünstigen Standorten wurden gelb), während tiefwurzelnde Pflanzen (Tanne, Eiche z.B.) wenig Schwierigkeiten hatten, da in der Tiefe noch viel Feuchtigkeit der nassen Vorjahre vorhanden war. Die weiteren Niederschläge des Monats verdunsteten immer wieder binnen weniger Tage, so dass sich die Bodentrockenheit rasch wiederherstellte. Insgesamt wurde heuer der siebt-trockenste August seit 1876 registriert.

Immerhin an 10 Tagen ließen sich Gewitter hören, am Monatsletzten fiel sogar minutenlang leichter Hagel. Nur an vier Tagen trat Nebel auf, was an der fast wüstenhaften Trockenheit der Luft lag: 54 % sind ein einmalig tiefer Wert, der noch nie auch nur annähernd in einem Sommermonat erreicht wurde. In Mannheim etwa waren es nur 48 %, dicht gefolgt von Freiburg mit 49 %.

Die drei Sommermonate zusammen ergaben in Daxstein eine Mitteltemperatur von 18,6°C  (3,8 K wärmer als im Schnitt 1961-1990), was fast um ein Grad über dem Rekordhalter von 1994 liegt (17,7°C). Beim Niederschlag reichte es lediglich zu 212,4 mm (- 176 mm bzw. nur 55 % des Mittels), was 2003 zu einem der regenärmsten Sommer der letzten 125 Jahre im Bayerischen Wald macht: 1904 210 mm, 1947 und 1983 je 209 mm und minimal 197 mm im Jahr 1911.

Beim Blick auf den August in Deutschland und im weiteren Europa gehe ich folgendermaßen vor: zuerst berichte ich über außergewöhnliche Tagestemperaturen im August, dann über die Monatswerte, anschließend kommen der Niederschlag und der Sonnenschein im August und zum Schluss eine Zusammenfassung der Sommerbilanz 2003.

Temperatur

Die am Monatsanfang einsetzende und bis zum 14. anhaltende Hitzewelle ist in der durch Messwerte belegten Periode (ab 1753) in Mitteleuropa ohne Beispiel. In München etwa gab es noch niemals vorher 12 heiße Tage mit Maxima über 30 Grad hintereinander (davon drei Tage mit über 35 Grad). Als Grafik sieht man die Maximaltemperaturen der Augustmonate 1791, 1992 und 2003 in München, wobei anzumerken  ist, dass von 1791 nur die 14-Uhr-Temperaturen vorliegen – Extremthermometer gab es damals noch nicht: umso erstaunlicher der 14-Uhr-Wert vom 1.8.1791: 37,4°C! das ist um 0,4 K mehr als das absolute Maximum vom 13.8.2003, also heuer die zweithöchste Augusttemperatur in München seit 1781.

Noch eindrucksvoller war die Hitze am Oberrhein: 54 Sommertage in Folge in Freiburg im Breisgau und in Karlsruhe (7. Juli bis 29. August), davon 14 heiße Tage am Stück (1. bis 14.8.).

Folgende Hitzehöhepunkte gab es bei den Maximaltemperaturen (nur eine Auswahl!):

  • 3.8. Albi/F   39,7°C

  • Toulouse  38,6
    Bordeaux  37,8
  • 4.8. Mannheim/Flpl. 38,9
  • 5.8. Cazaux/F  42,0

  • Gourdon/F  41,8
    Montélimar  41,0
    Toulouse  40,7
    Mühlacker  38,9
  • 6.8. Perl-Nennig  39,0
  • 7.8. Auxerre/F  40,7

  • Le Luc   40,7
    Perl-Nennig  40,0
  • 8.8. Auxerre  40,9

  • Perl-Nennig  40,3
    Dillingen/Saar  40,2
    Mannheim/Flpl. 40,2
    Wörth/Pfalz  40,1
  • 9.8. Karlsruhe  40,2

  • Mannheim/Flpl. 40,1
  • 12.8. Dillingen/Saar  39,9
  • 13.8. Speyer   40,3

  • Karlsruhe  40,2
    Freiburg i. Brsg. 40,2
    March   40,2
    Weil a. Rhein  40,2
Reihenweise fielen alte Temperaturrekorde für den August, auch hier kann nur eine kleine Auswahl gegeben werden. Die Tatsache, dass die Messmethoden gewechselt haben, sollte bedacht werden, ändert aber nichts an der Außergewöhnlichkeit der heurigen Hitze; teilweise handelt es sich sogar überhaupt um die höchsten je gemessenen Temperaturmaxima:
  • Bern   37,0°C (13.)
  • Locarno-Monti 37,9 (11.)
  • Grono/CH  41,5 (11.)

  • (höchste Schweizer Temperatur!)
  • Wien/H.W.  37,6 (13.)
  • Innsbruck  36,7 (13.)
  • Klagenfurt  36,6 (13.)
  • Zwerndorf/March/A 38,6 (13.)
  • Brocken  28,2 (12.)
  • Essen   36,6 (8.)
  • Frankfurt am Main 38,7 (9.)
  • Garmisch-P.  35,5 (13.)
  • Hohenpeißenberg 33,1 (13.)
  • Nürnberg  37,6 (13.)
  • Regensburg  38,8 (13.)
  • Stuttgart-Echterd. 37,7 (13.)
  • Wasserkuppe  31,8 (9.)
Gelegentlich überschritten sogar die Tagesmitteltemperaturen die 30-Grad-Grenze: Karlsruhe 13.8. 30,6°C, Freiburg 30,5°C am 5.8., Grono/CH am 11.8. 32,7°C. Vor allem in mittleren Lagen und in Städten wurden reihenweise tropische Nächte (Minima über 20°C) verzeichnet, hier nur die höchsten nächtlichen Minima:
  • Hohenstadt/Alb 25,5°C am 5.8.
  • Bühlerhöhe 26,2°C am 9.8.
  • Bühlerhöhe am 13.8. 25,8°C
  • Weinbiet am 13.8. 27,6°C
Die Monatsmitteltemperaturen übertrafen praktisch in der ganzen Schweiz, in fast ganz Österreich und in Deutschland südlich einer Linie Mosel-Nordhessen-Göttingen-Erfurt-Fichtelberg alles bisher Dagewesene, selbst der sehr heiße Juni 2003 wurde oft noch übertroffen. Im Zentrum der Hitze (Alpenraum, vor allem im westlichen Teil, Süddeutschland, Ostfrankreich) wurden alle Rekorde aller Monate in einem bis zu 250jährigen Zeitraum gebrochen (etwa südlich von Geisenheim- Kassel-Nordbayern). Wieder eine Auswahl von extremen Mitteltemperaturen:
  • Bad Kissingen 22,0°C
  • Bad Reichenhall 22,3
  • Bregenz  22,8
  • Erfurt   20,8
  • Fichtelberg  15,3
  • Freiburg i. Brsg. 25,5
  • Garmisch-P.  19,8
  • Geisenheim  23,3
  • Hohenpeißenberg 20,7
  • Innsbruck  21,9
  • Karlsruhe  24,3
  • Kassel   21,2
  • Klagenfurt  22,5
  • München/Stadt 23,3
  • Oberstdorf  18,9
  • Regensburg  22,9
  • Salzburg/Flh.  22,6
  • Schmücke  15,8
  • Stuttgart/Flh.  23,0
  • Trier   22,3
  • Weißenburg i. B. 22,1
  • Würzburg  23,4
  • Zugspitze  6,6


Von folgenden Stationen habe ich die langjährigen Augustreihen zu Grafiken verarbeitet: 




 

Bis zum 31. August dieses Jahres sind schon sehr viele Sommertage  und heiße Tage aufgetreten. Der bisherige Rekordhalter in dieser Disziplin war oft 1947. Von München (Werte ab 1879 von München/Stadt) ist wieder eine Grafik angefertigt worden. Seit 1781 gab es noch niemals eine so hohe Zahl von Sommertagen und heißen Tagen wie heuer: 83 bzw. 31 (bisher höchstens 66 bzw. 22). Karlsruhe hatte bis zum 31.8. mit 94 die Zahl der Sommertage von 1947 (98 – aber im ganzen Jahr!) noch nicht erreicht, bei den heißen Tagen war das Maximum (44) mit 49 Tagen schon überschritten (Reihe ab 1876). Auch auf dem Hohenpeißenberg bedeuten 47 Sommertage das absolute Maximum seit 1879 (1947 nur 33).

Erst in den letzten Augusttagen wurde so mancher Trockenheitsrekord durch kräftige Regenfälle verhindert, dennoch fiel fast überall nur wenig Niederschlag, aber nur in Deutschland gab es an ein paar Orten neue minimale Monatssummen:

  • Görlitz   3,0 mm

  • (alter Rekord 11 mm; ab 1848)
  • Bamberg   9 mm

  • (alter Rekord 11 mm; ab 1879)
  • Cottbus   9 mm

  • (zusammen mit 1942; ab 1883)
  • Göttingen   11 mm

  • (zusammen mit 1947; ab 1857)

In der West- und Südschweiz sowie in Kärnten gab es sogar Gebiete mit Niederschlagsüberschüssen, bedingt durch sintflutartige Regenfälle am 28. (Locarno-Monti 127 mm) bzw. 29.8., als auf der Villacher Alpe 114 und in Klagenfurt 81 mm niedergingen. Beide Tageswerte sind die höchsten im August an diesen Orten seit über 100 Jahren.

Bedenklich war die Schneearmut im Hochgebirge: auf der Zugspitze wurde mit einem Schneedeckentag (8 cm am 31.) ein Negativrekord verbucht, der nur 1911 (damals nur 1 cm) und 1947 (4 cm am 6.8.) genauso vorgekommen ist. 

Dass die Sonnenscheindauer extrem hohe Werte erreichen musste, war bei der andauernden Hochdrucklage nicht verwunderlich; zu Rekorden reichte es aber nur an einigen Orten in Deutschland (die Reihen von Erfurt und Karlsruhe sind wiedergegeben):
Sonnenscheindiagramme

  • Erfurt   300 Stunden
  • Leipzig   283
  • Chemnitz   282

  • (zusammen mit 1944)
  • Geisenheim  302
  • Karlsruhe   327
  • Stuttgart/Flughafen 313
  • Fürstenzell  299
  • Garmisch-Partenk. 275


Bis auf die Küstenregionen erlebte Mitteleuropa den wärmsten je gemessenen Sommer, d.h. seit mindestens Mitte des 18. Jahrhunderts, vielleicht sogar seit dem in allen Chroniken verzeichneten, legendären Sommer von 1540:
 

  • Genf   23,5°C
  • Basel   22,8
  • Lugano  24,6
  • München  21,0
  • Hohenpeißenberg 19,1


Von München sind die Sommermitteltemperaturen in einer Grafik zu sehen.

Alle bisherigen Höchstwerte lagen um ein oder sogar zwei Grad tiefer. Auch bei der Sonnenscheindauer gab es extreme Zahlen, zum Teil wurden sogar 900 Stunden überschritten (etwa Karlsruhe 912 Stunden), zu absoluten Höchstwerten reichte es in Erfurt (839 Std.), Nürnberg (859 Std.) und in Karlsruhe. München kam auf 880 Stunden, was 20 Stunden weniger sind als im Rekordjahr 1947.

Nach einer ersten Durchsicht ergab sich nur in Mannheim der trockenste aller Sommer seit mindestens 1868: dort fielen in den drei Sommermonaten nur karge 62 mm, im bisherigen Minimumjahr 1949 waren es 69 mm. Wenn man aber die hohe Verdunstung durch die große Hitze bedenkt, dann werden die Trockenschäden gut verständlich.

Zum Abschluss ist ein Vergleich der Tagesmitteltemperaturen vom Hohenpeißenberg zu sehen, und zwar die Sommer 1807 (der bisher wärmste) und 2003 (der würdige Nachfolger). Ein weiterer Kommentar erübrigt sich.

Wolfgang Webersinke, Daxstein 13.9.2003

Letzte Aktualisierung 18.09.2003
Durch Wolfgang Webersinke