Witterungsbericht Juni 2003

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


J U N I   2 0 0 3: der Ausnahmemonat schlechthin

 Der erste Sommermonat 2003 war hinsichtlich der Hitze eine derartige Ausnahmeerscheinung, dass selbst in den ältesten Temperaturreihen kaum etwas Vergleichbares zu finden ist. Das Hitzezentrum lag über dem westlichen Alpenraum, die Rekordwerte reichten aber von Ostfrankreich über die Schweiz hinüber bis nach Ostösterreich.

Zenting-Daxstein befand sich schon mehr am nördlichen Rand der Extremtemperaturen, aber dennoch wurde der bisher wärmste Juni von 1930 noch um 0,2 K übertroffen. Im Bayerischen Wald spielte weniger die große Hitze (irgendwelche absoluten Tagesmaxima wurden nicht erreicht) eine Rolle, als vielmehr das völlige Fehlen kalter Tage sowie die hohen nächtlichen Minima, die es normalerweise im Juni noch fast gar nicht gibt. Die Regenmenge war zwar deutlich defizitär, lange Trockenperioden fehlten aber, am 18.6. hagelte es kurz.

In dem von mir betrachteten Gebiet wurden im Juni verbreitet Wärmerekorde bei der Mitteltemperatur, vereinzelt bei der absoluten Höchsttemperatur sowie ab und zu bei der Sonnenscheindauer gemessen, bei wenigen Stationen lagen die Niederschlagsmengen in der Nähe der absoluten Minima.

Ich beginne mit sehr hohen Tagesmaxima, die stellenweise so hoch wie noch nie seit Beginn der jeweiligen Messungen waren:

12.6.:
Freiburg i.Brsg.  36,5°C
Weißenburg i. B.  34,6
Rust    37,7
21.6.:
Lézignan-Corbières/F  41,5°C
Mont-de-Marsan/F  39,9
Carcassonne/F  39,8
22.6.
Gourdon/F   40,7°C
Brive-la-Gaillarde/F  39,6
23.6. 
Karlsruhe   37,2°C
München   34,8
25.6.
Genève-Cointrin  36,5°C

Die bisherigen Höchstwerte lauten für Freiburg i. Br. 36,3°C (30.6.1950), für Weißenburg 34,5°C (26.6.1947), für München 34,7°C (14.6.1980); Karlsruhe hatte 37,2°C schon jeweils am 27.6.1947 und am 18.6.2002.

Die Monatsmittel der Lufttemperatur lagen generell in Baden-Württemberg und Bayern, sowie in ganz Österreich und überall in der Schweiz zum Teil extrem über den bisherigen Grenzwerten; die Abweichungen lagen in Österreich maximal bei + 6,5 K (Kufstein und Bregenz), in Deutschland bei  + 7,1 K (Feldberg im Schwarzwald) und in der Schweiz bei + 7,5 K (Napf) bzw. + 7,4 K (Genève, Gütsch), in Ostfrankreich erreichten sie lokal sogar + 8 K! Damit war die Mitteltemperatur des Juni 2003 in der Schweiz  höher als bei allen Sommermonaten bisher, selbst der Juli 1983 wurde entthront! Dies gilt sogar für die langen Reihen von Genf (ab 1753) und für Basel (ab 1755); beide Junireihen werden als Grafik angeboten. Die Wärme des Juni 2003 zeigt sich auch darin, dass z.B. auf dem Flughafen im Erdinger Moos vom 23. Mai bis zum 30.Juni alle Tage wärmer als im 30-jährigen Mittel 1961 1990 waren.

Die nördlichen Grenzen dieses Rekordjuni verliefen über Rheinland-Pfalz, den Rheingau, das südliche Hessen und Teilen des südlichen Sachsen. Nördlich dieser gedachten Linie waren oft andere Junimonate wärmer (oft 1917). 

Nun eine Auswahl für die Rekordmitteltemperaturen des Juni 2003; um die deutlichen Abweichungen zu den bisherigen Rekordhaltern zu zeigen, sind die alten Höchstwerte beigefügt:

Trier-Petrisberg  20,2°C
[1976: 20,1]
Geisenheim   21,7
[20,7: 1976]
Dresden-Klotzsche  20,1
[19,9: 1917]
Fichtelberg   13,8
[13,6: 1917]
Karlsruhe   23,0
[21,5: 1858]
Stuttgart-Schnarrenberg 22,4
[20,8: 1846]
Freiburg i. Br.   24,2
[21,5: 1976]
Bamberg   20,9
[19,8: 1930]
Würzburg   21,5
[20,2: 1947]
Nürnberg   21,0
[20,7: 1917]
Regensburg   21,2
[19,8: 1930]
Augsburg   20,4
[20,2: 1822]
München/Stadt  22,1
[21,0: 1930]
Hohenpeißenberg  19,3
[18,4: 1822]
Oberstdorf   19,0
[17,2: 1930]
Garmisch-Partenkirchen 19,6
[17,5: 1950]
Zugspitze   5,5
[3,3: 1930]

Basel-Binningen  23,3
[20,7: 1822]
Genève:   24,1
[21,8: 1822]
Lugano   24,8
Zürich-MeteoSchweiz  22,5
Säntis    9,2
Bregenz   23,1
[20,0: 1877]
Innsbruck   21,7
[19,2: 1811, 1930]
Salzburg/Flh.   21,6
[19,4: 1917]
Kremsmünster  21,2
[20,8: 1811]
Wien/Hohe Warte  22,4
[22,0: 1811]
Graz/Flh.   22,3
[19,6: 1957]
Klagenfurt   21,8
[20,6: 1822]
Sonnblick   5,2
[2,0: 1931]

 Als Grafik wurden die Temperaturreihen von Genf, Basel, München/Land und Kremsmünster bearbeitet. Die Exzentrik des Juni 2003 zeigt sich auch in der Zahl der Sommertage: in München beispielsweise gab es 26 davon (bisher waren 20 das meiste, und zwar in den Jahren 1858 und 1822; selbst der Juli 1983 hatte ebenfalls 26), in Freiburg i. Br., Zürich oder Genf waren sogar alle 30 Tage zugleich auch Sommertage. In München zählte man 7 heiße Tage (Max. >= 30,0°C), dieser Wert wurde ebenso seit 1781 noch nie erreicht (bislang maximal 6), In Genf traten 20 heiße Tage auf (Freiburg 17)!




Zu der Hitze gesellte sich häufig die Sonne, so dass punktuell der sonnigste Juni seit Beobachtungsbeginn verzeichnet werden konnte:

Garmisch-Partenkirchen 258 Stunden
(ab 1919)
Fichtelberg   270 
(ab 1921)
Kahler Asten   269 
(ab 1934)
Erfurt    314 
(ab 1889)

Grafisch aufbereitet wurden Zürich, Erfurt und München (dort gab es den fünft-sonnigsten Juni seit 1901). In Erfurt teilt sich 2003 den ersten Platz mit 1930 (313,8 Std.). Andere Orte kamen nahe an den Höchstwert heran, z. B. Geisenheim 304 Std. (312 Std. 1930) oder Nürnberg 313 Std. (323 Std. 1930). Überhaupt hatte Bayern  fast flächendeckend mehr als 300 Stunden (Landsberg/Lech  331 Std.)


Ab und zu blieben auch die Niederschläge sehr gering, etwa in Bad Kissingen (nur 16 mm, aber auch 2000 nur 16,3 mm) oder in Mannheim (mit 12 mm nur um 1 mm unter dem Rekordwert von 11 in den Jahren 1976 und 1858, 1920 auch nur 12 mm). Beide Reihen sind als Grafik zu sehen. Ähnlich auch in Öhringen, wo 2003 den dritten Platz nach 2000 und 1903 belegt (ab 1860).  Auf der Alpensüdseite in Locarno muss man die größte Trockenheit seit Messbeginn 1873 ertragen: seit Jahresbeginn sind hier nur karge 205 mm gefallen, bisher datierte der Minimalwert aus 1976 (275 mm).


 Zwar gab es in der großen Hitze einige Starkniederschläge, aber die Prognosen, dass bei vermehrter Hitze immer stärkere unwetterartige Regenfälle zu befürchten wären, haben sich im heurigen Juni nicht bewahrheitet. Das Wetter ist eben nicht so einfach zu durchschauen, wie einem bei allem Computereinsatz oft suggeriert wird; folgende ergiebige Niederschläge traten auf:

3.6. Hofgeismar  67 mm
5.6. Kolitzheim  80,9
 Bad Waldsee  77,5
8.6. Trochtelfingen  94
12.6. Tübingen  66
14.6. VaduzFL  58
26.6. Schauinsland  62,6

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 12.7.2003

Letzte Aktualisierung 20.07.2003
Durch Wolfgang Webersinke