Witterungsbericht Mai 2003

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


In der seit etwa 15 Jahren andauernden Klimaveränderung hat sich in den Maimonaten seit 1992 eine einseitige Bevorzugung von sonnig-trockenen und zu warmen Verhältnissen herausgebildet: in Südbayern, aber auch in Österreich nördlich der Alpen erlebten die Menschen nunmehr den zwölften zu warmen Mai in ununterbrochener Reihenfolge. Selbst in den sehr alten Reihen von Kremsmünster (ab 1767) oder Hohenpeißenberg ist so etwas bisher noch nie vorgekommen.

Auch in Zenting-Daxstein überwogen bei weitem die erheblich zu warmen Phasen, wobei die Hochsommerwerte vom 5. und 6. Mai jeglichen Rahmen sprengten (Tagesmittel am 6. 22,3°C). Ausgesprochen kühl waren nur die Tage vom 12. bis 16. Mai: am 14. gab es nach einem starken Graupelschauer eine Schneedecke von 1 cm und tags darauf fiel für einige Stunden nochmals Schnee und Schneeregen. Glücklicherweise war der Niederschlag wieder etwas ergiebiger, so dass größere Trockenschäden vermieden wurden, dennoch verlief das gesamte Frühjahr mit 172 mm wesentlich zu trocken (= 55 % des Mittels); zuletzt 1976 war es noch trockener, am allerwenigsten hatte es 1946 mit 108 mm gegeben.

Im Überblick (Schweiz, Österreich und Deutschland) wird deutlich, dass die Wärme ein überregionales Phänomen war: relativ häufig war der Mai 1993 zuletzt noch wärmer als 2003 (z.B. in München). In Wien/Hohe Warte lag 2003 an dritter Stelle seit 1776 (17,9°C, 1811: 18,4°C, 1797: 18,1°C). Kremsmünster hatte heuer den fünftwärmsten Mai seit 1767 (16,8°C, 1771: 18,6°C, 1797 und 1868 je 17,6°C und 1811 17,4°C). In Lugano wurde der zweitwärmste Mai seit Beobachtungsbeginn 1864 registriert (18,6°C, 1868: 18,8°C). Auch auf der Villacheralpe (2140 m) in Kärnten reichte es zum zweiten Platz in der Wärmehitliste (6,4°C) nach 1865 (7,3°C). Für letztgenannte Station, den Hohenpeißenberg und Kremsmünster habe ich wieder eine entsprechende Grafik angefertigt.

Die außergewöhnliche Wärmephase vom 5. und 6. Mai 2003 hat auch die jeweiligen Tagesrekorde im südlichen Bayern und in Österreich pulverisiert, z.B. am Hohenpeißenberg:

Tagesmittel am 5.5. 22,6°C (alt: 20,2°C, 1825)
Tagesmittel am 6.5. 21,4°C (alt: 19,0°C, 1825)

In München (und auch anderswo) gab es zwei heiße Tage, so früh wie noch niemals im Jahr (bisher: 12.5.1912), dazu kamen an zwei Orten im Donautal (am 6.5.) sogar die absolut höchsten Maitemperaturen (und das in der ersten Dekade!):

Straubing: 31,4°C
Metten: 31,9°C (ab 1879)  alter Rekord: 31,6°C am 23.5.1886)
 

Folgende weitere Rekordwerte wurden gemessen:

5.5. Kitzingen/Ufr.  34,0°C
 Salzburg-Freisaal 33,4°C

6.5. Windischgarsten 33,3°C
 Schärding/OÖ  33,2°C

Die verschiedentlich aufgetretenen Unwetter (zum Teil mit Windhosen oder Tornados an der Debatte, welcher Begriff nun der richtige sei, beteilige ich mich nicht), werden hier nur nach großen Regenmengen aufgelistet:

8.5. Ihringen  89,2 mm
       Lechfeld  55,2
13.5. Wien/Hohe Warte 77,0
19.5. Lalling/MM  49,1 (in Daxstein ganz in der Nähe nur 21,7 mm)
28.5. Lindau-Bad Schachen 97,4
31.5. Bechhofen/Mfr. 80,0
         Kl. Feldberg/Ts. 76,8

Mehrheitlich war der letzte Frühlingsmonat zu trocken. In Cottbus (siehe auch die beigegebene Niederschlagsgrafik) gab es nur 12 mm. Der absolute Minimumrekord datiert von 1947 (9 mm), wobei ähnlich geringe Niederschläge auch 1890, 1989, 1990 und 1998 gemessen wurden. Generell wird über die Frühjahrstrockenheit geklagt, am Beispiel Cottbus sind über die drei Frühjahrsmonate 64 mm gefallen, noch weniger waren es nur zweimal: 1890 (54 mm) und 1976 (43 mm)


Wolfgang Webersinke, Daxstein, 13.6.2003

Letzte Aktualisierung 16.06.2003
Durch Wolfgang Webersinke