Witterungsbericht April 2003

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Die starke Meridionalisierung der Zirkulation schaffte im heurigen April in Mitteleuropa sowohl Rekorde nach der kalten Seite hin (in der ersten Dekade) als auch bei den Höchstwerten der Temperatur gegen Monatsende.

Zunächst aber zu den Daten von Zenting-Daxstein: die hochreichende Kaltluftzufuhr ab dem 4.4. führte einerseits zu sehr tiefen Minima: die  - 7,0°C vom 7.4. wurden im Daxsteiner Bereich zuletzt am 20.4.1969 erreicht (das absolute Minimum überhaupt im April stammt mit 9,0°C vom 8.4.1956). Andererseits gab es am selben Tag auch Temperaturen von unter 0 Grad (Tmax 1,8°C). Die Tagesmitteltemperatur des 7.4.2003 (- 4,1°C) lag im unteren möglichen Bereich: 13.4.1986 4,3°C.
Die Niederschläge waren den ganzen Monat hindurch nur sehr verhalten, Tage mit über 10 mm kamen überhaupt nicht vor, was für hiesige Verhältnisse sehr ungewöhnlich ist (1. Dekade 16,2 , 2. Dekade 1,7, 3. Dekade 26,7 mm). Den (wahrscheinlich) letzten Schneefall der ausgehenden Wintersaison gab es am 19.4. (kurzzeitig sogar nochmals mit dünner Schneedecke). Die Summe der Niederschläge aus März und April ergab den niedrigen Wert von nur 69 mm (= 35 % des Mittels 1961 1990); viermal seit 1876 war es noch weniger (1976, 1921, 1884 und 1946, in letzterem Jahr nur sensationelle 28 mm!).
Ganz außergewöhnlich trocken war wieder die Luft: 56 % mittlere Luftfeuchtigkeit bedeuten den absoluten Tiefpunkt (bisher 57 % im April 1988), an vier Tagen fiel sie sogar unter 30 % (am 16.4.1988 allerdings schon einmal nur 15 %!).
Am 6. und 22. April kam es zu leichten Gewittern, am 23. war der einzige Nebeltag des Monats (und der erste seit dem 9.3.!). Alpensicht konnte nicht beobachtet werden, dafür wurde durch stürmischen Südwind am 30. viel Blütenstaub aufgewirbelt.
Die Polarluft der ersten Dekade ließ manchen auch sehr alten Kälterekord purzeln:
 

  • Auf dem Hohenpeißenberg wurde am 7.4.2003 der bisherige Tagesmitteltemperatur-Tiefstwert des Jahres 1956 um 0,3 K unterschritten (2003 6,3°C); allerdings brachte der 9.4. 1842 schon einmal 8,6°C!
  • Am selben Tag schaffte die Zugspitze einmal das tiefste je dort registrierte Tagesmittel im April (Zeitraum ab 1901): - 22,6°C (bisher: - 22,2°C am 13.4.1913) und ebenso das tiefste jemals gemessene Aprilminimum: - 24,2°C (bisher: - 23,8°C am  7.4.1929). Dieser absolute Minimum-Rekord ist übrigens der erste seiner Art auf der Zugspitze seit dem 5.3.1971!
  • Am Folgetag, dem 8.4.2003, wurden dann die absolut tiefsten Minima des April in Innsbruck mit 9,6°C und in Seefeld/Tirol mit  - 19,7°C (!) erreicht. Davos hatte die kälteste Aprilnacht seit dem 13.4.1913 ( - 14,6°C).
  • Garmisch-Partenkirchen unterbot den alten April-Tiefstwert des Minimums von 1929 (- 12,1°C) um 0,5K, Leipzig-Schkeuditz erreichte am 8.4.2003 mit 6,5°C ein neues absolutes Minimum (bisher: - 6,2°C am 5.4.1911).
  • Hamburg egalisierte den April-Rekord des absoluten Minimums vom 10.4.1941 (- 7,1°C).
Am Monatsende schließlich wurden in einer sehr warmen Südströmung Temperaturmaxima erreicht, die vor allem im östlichen Südbayern und ostwärts entlang der Alpennordseite teilweise die alten Höchstwerte für April pulversierten:
  • Wien/Hohe Warte 27,9°C (am 29.4.), was zumindest seit 1872 (Beginn der Reihe HW) den absoluten April-Höchstwert (bisher 27,8°C am 26.4.1986) darstellt (in der längeren Stadtreihe gab es schon einmal 28,8°C, hier heuer 28,7°C).
  • Linz-Hörsching am 30.4. 29,4°C, eine seit mindestens 1852 (Beginn der regelmäßigen Beobachtungen in Linz) unerreichte Apriltemperatur. Die noch älteren Beobachtungen vom Stift St. Florian haben allerdings einen Terminwert von 30,0°C am 30.4.1818 (siehe auch die Grafik vom Hohenpeißenberg!); damals gab es vom 27. bis zum 30.4 eine viertägige Reihe von Sommertagen!
  • Salzburg/Flughafen meldete ebenfalls am 30.4. die neue Rekordmarke von 30,3°C (Salzburg-Freisaal sogar 30,6°C); hier datiert der alte absolute Höchstwert mit 30,0°C vom 17.4.1934.
  • Mühldorf hatte am Monatsletzten beachtliche 30,8°C. Dies ist wohl die höchste April-Temperatur, die je in Bayern gemessen wurde.
  • Garmisch-Partenkirchen maß am 30.4. 28,1°C, was nur um ein halbes Grad unter dem absoluten Maximum vom 17.4.1934 liegt. Die Amplitude der Temperatur erreichte damit dort eine für April unerhörte Größe (40,7K!)!
  • Auf dem Hohenpeißenberg konnte zum ersten Mal seit 1781 im April ein Sommertag registriert werden: 25,5°C am 30.4.2003. Die alte Höchsttemperatur von 24,2°C teilten sich der 15.4.1904 und der 26.4.1947.


Die deutschlandweit höchsten Apriltemperaturen konnte man am 17.4.1934 in Bad Mergentheim (32,0°C) und am 21.4.1968 in Elsdorf (32,1°C) messen.
Die Sonne geizte im April nicht mit ihrer Kraft: die 212 Stunden von München etwa bedeuten den 9. Platz in der 103jährigen Reihe. März und April zusammen hatten dort 411 Stunden: seit 1901 gab es nur 1953 noch mehr Sonne in diesem Zweimonatszeitraum ( 430 Std.).

Da im abgelaufenen Monat fast überall wieder deutlich zu geringe Niederschläge fielen (in Straubing mit 10 mm dritt-trockenster April seit 1879), rangieren die Zweimonats-Niederschlagssummen März+April 2003 gebietsweise bei den niedrigsten Werten überhaupt, z.B.:

  • München   46 mm (= 35 % des Mittels); nur 1893 (34 mm) und 1865 (33 mm) war es noch weniger.
  • Hohenpeißenberg 60 mm (minimal: 1893 nur 34 mm)
  • Passau   47 mm (minimal: 1946 32 mm)
  • Regensburg  27,5 mm (minimal: 1800 18 mm) 
  • Nürnberg   28,5 mm (minimal: 1946 25 mm)
  • Stuttgart-Schnarrenbg. 26  mm (minimal: 1893 23 mm)
  • Frankfurt/Main  25  mm (minimal: 1893 18 mm)

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 20.5.2003

Letzte Aktualisierung 25.05.2003
Durch Wolfgang Webersinke