Witterungsbericht Februar 2003

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Auf einen solchen Wintermonat, wie er in früheren Jahrzehnten öfter auftrat, hatten wir lange warten müssen: nach Schneefällen in der ersten Dekade beherrschte ein winterliches Hochdruckgebiet die Wetter-Szenerie und bescherte uns wochenlange trocken-kalte und sonnige Witterung.

In Zenting-Daxstein hinterließen die Tiefdruckgebiete bis zum 9.2. – sehr zur Freude der Wintersportler - 61 cm Neuschnee. Vom 1. – 19.2. blieb die Temperatur (abgesehen vom 3.2. mit + 0,1°C) ständig unter dem Gefrierpunkt; extreme Kälte blieb aber, auch infolge der Hanglage, aus. Vom 20. ab stiegen aber tagsüber die Temperaturen deutlich über Null Grad, weil die Kaltluftschicht flacher wurde und Daxstein in eine wärmere südöstliche Höhenströmung geriet, die sehr trockene Luftmassen heranführte: am 25. zum Morgentermin gab es lediglich 22 % relative Luftfeuchte. Im Februar 1990 hatte es schon einmal nur 9 % gegeben!

Weiteres Kennzeichen des Februar 2003 war sein Sonnenscheinreichtum. Am 9. begann eine Serie heiterer Tage, die nur am 11.und am 15./16. unterbrochen wurde. Vom 19. abends bis zum 27. einschließlich war es durchgehend wolkenlos oder höchsten ein Achtel bewölkt (meist Kondensstreifen von Flugzeugen). Mit 38 Prozent Himmelsbedeckung gehört der Februar 2003 zu den bewölkungsärmsten im hiesigen Raum seit 1891:

Februar 1930  Hausstein  26%
Februar 1959  Rusel  30%
                       Freyung 36%
Nebel war mit 6 Tagen sehr selten und an 4 Tagen waren die Alpen zu sehen.

Auch das Luftfeuchtigkeitsmittel geht an die tiefsten Werte seit Messbeginn heran:

Februar 1930  Hausstein 64%
Februar 1975  Waldhäuser 65%

Gegenüber dem Mittel 1961 bis 1990 war der Winter 2002/03 in Daxstein völlig normal:

Temperaturmittel – 2,0°C (- 0,1K). Niederschlag: 389,9 mm (= 106% bzw. + 21 mm).

Den hochwinterlichen Charakter dieses Monats kann man auch an den Frosttagen ablesen: abseits der Großstadt brachten alle Tage des Februar 2003 in München Frost, dies war zuletzt 1991 der Fall gewesen und zuvor im 20. Jahrhundert noch 11mal. Außerdem lag an allen 28 Tagen eine geschlossene Schneedecke: seit 1978 hatte man auf ein solches Ereignis in München warten müssen (für die Stationslage München/Stadt sogar seit 1963!). Von Beginn der Schneedeckenmessung 1888 an gab es je nach Station in München 14 oder 13 Februarmonate mit durchgehender Schneebedeckung, von 1901 bis 1950 8mal und von 1951 bis 2000 nur 4 oder 5mal!

Vom Salzburger Land bis in die östliche Schweiz fiel in den ersten sieben Tagen des Monats reichlich Schnee:

4.2. Kirchschlag/OÖ 120 cm
7.2. St. Gallen  72
       Bad Ragaz  80
       Lofer + Reutte  90

Die Kälte des Monats beruhte vor allem auf den tiefen Nachttemperaturen in den klaren Nächten über der Schneedecke (auf dem Münchner Flughafen im Erdinger Moos sank die Temperatur an 16 Tagen unter die –10-Grad-Marke):

1.2. Bernau im Schwarzwald    - 26,8°C
2.2. Haidmühle   - 25,1
        Oberstdorf   - 21,5
12.2. Bernau   - 21,3
13.2. Morgenröthe-Rautenkranz - 22,0
14.2. Morgenröthe-Rautenkranz - 22,8
15.2. Morgenröthe-Rautenkranz - 20,2
17.2. Spitzingsee   - 22,4
18.2. Morgenröthe-Rautenkranz - 21,6
19.2. Oberstdorf   - 20,9
24.2. Haidmühle   - 20,2

Ohne das Kachelmann’sche Messnetz wäre diese Liste wesentlich kürzer ausgefallen!

Durch den andauernden Hochdruckeinfluss gab es vor allem in Teilen der neuen Bundesländer sehr wenig Niederschläge. In einer ersten Übersicht gab es an folgenden Orten neue absolute Minima der Februar-Niederschläge (zumindest seit 1901):

Manschnow   1
Neubrandenburg  2 mm 
Gardelegen   4
Görlitz    4,5
Leipzig-Schkeuditz  4,9

In Manschnow beginnen die Beobachtungen erst 1964, im Rekordfebruar des Jahres 1972 (Lindenberg 0 mm!), fielen dort aber 3 mm, so dass der Minimalwert von heuer als gesichert gelten darf. Neubrandenburg meldet seit 1900, das bisherige Minimum hat 1972 und 2003 mit je 2 mm inne. Von Gardelegen (ab 1872, leider mit diversen Messlücken, zuletzt beim Übergang vom MD zum DWD!) und Görlitz (ab 1848) habe ich wieder Grafiken angefertigt. Gardelegens bisheriger Tiefstwert liegt bei 6 mm (1887 und 1890), Görlitz hat nur im Februar 1870 noch etwas weniger Niederschlag (4 mm) als heuer. Die Reihe von Schkeuditz (ebenfalls einzelne Beobachtungslücken) setzt 1898 ein, verlängert man sie mit der Reihe der Leipziger Sternwarte (ab 1864), so kommt mit dem Februar 1870 ein weiterer Minimalwert zutage (1,3 mm); 1972 hatte übrigens in Schkeuditz auch 5 mm Niederschlag.
An weiteren Stationen belegte 2003 den zweiten oder dritten Platz in der Rangfolge der trockensten Februarmonate (jeweils ab 1901), z.B.

Lübeck 5 mm = 2. Platz nach 1959
Arkona  2,5     = 2. Platz nach 1917
Angermünde 3        = 2. Platz nach 1972

Die Zone mit den geringen Februar-Mengen setzte sich nach Südosten fort, so dass in Teilen Wiens, Niederösterreichs und im nördlichen Burgenland ebenfalls der trockenste Februar seit Messbeginn registriert wurde:

Wien/Hohe Warte 1 mm
Zwettl/NÖ  1
Retz   1
Tulln   1
Eisenstadt  1

Das bisherige Minimum von Wien stammt aus dem Jahr 1890 (3 mm). Wien und Zwettl (zweites absolutes Minimum 1 mm, 1885) sind in einer Grafik aufgearbeitet.

Eine weitere Besonderheit des abgelaufenen Monats waren sehr lange Sonnenscheindauern. In einem großen Bereich der Niederungen (Mittelgebirgslagen waren oft ausgenommen) von der Elbemündung (Hamburg als nördlichste Station) bis zu einer Linie Karlsruhe – Nürnberg wurde die längste Sonnenscheindauer in einem Februar seit mindestens 1901 gemessen. Folgende Gebiete gehörten nicht zu dieser Maximalzone:

  • Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern
  • Nordwest-Deutschland (Referenzstationen Emden und Bremen)
  • Schwarzwald, Schwäbische Alb, Bayerischer Wald
  • Generell südlich der Donau (reichlich Hochnebel verhinderte Rekorde)
Hier findet man die Februarmonate 1929, 1959, 1975 oder 1998 mit höheren Sonnenscheinsummen. Dies gilt auch für mehrere Orte innerhalb der Maximalzone (z.B. Potsdam, 1954 mehr Sonnenschein als 2003; Wahn, 1975 mehr; Kassel, 1975 mehr). Die höchsten Summen zeigten folgende Stationen mit langen Reihen:
  • Hamburg   123 Std.
  • Berlin-Dahlem   124,4
  • Brocken   175
  • Hannover   109
  • Greven   165
  • Essen    164
  • Lüdenscheid   171
  • Aachen   167
  • Leipzig    126
  • Fichtelberg   183
  • Dresden-Klotzsche  133
  • Geisenheim   151
  • Karlsruhe    156
  • Bamberg   170
  • Nürnberg   170
Teilweise wurde gerade der alte Maximalwert erreicht (Fichtelberg: 183,2 Stunden 1959) oder nur leicht überschritten (z.B. Dresden-Klotzsche: 129,7 Std. 1959), recht häufig aber deutlich übertroffen: z.B. Essen um 22 Stunden, Greven um 30 Stunden, Bamberg sogar um 32 Stunden! Im Fall Geisenheim findet man in der 1890 beginnenden Reihe 1891 einen noch geringfügig höheren Wert: 154,6 Stunden. Von sieben Orten wurden die Sonnenscheindaten zu einer Grafik umgearbeitet. 

Besonders im Süden der Republik blieben aber die besonders großen Sonnenscheindauern der Jahre 1959, 1975 und 1998 unangetastet:

1959
Klippeneck   199,5 Std.
Hohenpeißenberg  203,8
Wendelstein   205,3
Feldberg/Schwzw.  215,9
Zugspitze   215,9
1975
Zugspitze   216
1998
Zugspitze   227







Wolfgang Webersinke, im März 2003

Letzte Aktualisierung 17.03.2003
Durch Wolfgang Webersinke