Witterungsbericht Oktober 2002

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Deutschlandweit war dies der erste durchgängig zu kalte Monat seit Dezember 2001 (in Zenting-Daxstein schon der zweite in Folge). Häufig trübe und nasse Witterung waren das Hauptkennzeichen dieses Monats. Vom 11. bis  zum 31. Oktober gab es nur einen einzigen trockenen Tag (der 20.). An 17 Tagen trat Nebel auf, die Alpen waren nur an 2 Tagen zu sehen. 2002 war der nasseste Oktober seit 1998. Außergewöhnlich hoch fiel die Niederschlagsmenge im Wasserwirtschaftsjahr 2001/02 (November 2002 bis Oktober 2002) aus: 1884 mm bedeuten 138 % des Mittels 1961 – 1990 (oder 517 mm zu viel!).

Breit in der Presse „gewürdigt“ wurde der Sturm vom 27. Oktober, wobei aber nirgends die hohen Windgeschwindigkeiten von Lothar (26.12.1999) oder der Winterstürme 1990 erreicht wurden. Folgende Spitzen gab es:

  • Hoek van Holland 140 km/h
  • Spa/Belgien  137
  • Neubrandenburg 133
Dennoch mussten allein in Deutschland 12 Menschenleben beklagt werden.

Nach 1998 gab es wieder einen sehr nassen Oktober, ohne dass allerdings irgendwo in West- und Mitteleuropa die alten Grenzwerte übertroffen worden wären. Am nächsten kam man in Cuxhaven heran: 211 mm sind nur 3 Millimeter weniger als beim Rekord von 1998 (Reihe mit kürzeren Unterbrechungen seit 1886). In Passau-Fürstenzell fielen 149 mm, das bedeutet den 3. Platz in der seit 1879 laufenden Reihe (nach 1941, 1970 und 1998). Die als Grafik gebotene Station Kremsmünster (Oberösterreich) hatte heuer 137 mm (= 235 % des Mittels); nur in 6 Jahren gab es seit 1820 noch mehr:

  • 1956 139 mm
  • 1847 148
  • 1835 154 
  • 1964 160
  • 1850 168
  • 1824 169
Aber auch in Basel-Binningen wurde der heurige Wert von 155 mm nur dreimal seit 1864 überboten:
  • 1923 160 mm
  • 1896 174
  • 1939 215
Am 5. Oktober 2002 gab es zumindest an zwei Orten Rekordniederschläge für Oktober im Zeitraum von 24 Stunden:
  • Cuxhaven 48 mm (ab 1891)
  • Bremen  53,7   (ab 1874)
Als weitere Grafiken habe ich diesmal von München die höchsten Tagesniederschlagssummen und die absoluten täglichen Temperaturextreme ausgewählt.

Da heuer in Berlin-Dahlem 5 Gewittertage ausgezählt wurden (auf Norderney und Helgoland sogar 6), habe ich nachgesehen, ob das außergewöhnlich ist. Bisher war 1938 in Berlin der „gewitterreichste“ Oktober, mit 3 Tagen. Auch für Daxstein, München oder Frankfurt am Main gelten 3 Tage als absolutes Maximum. Jena, der Hohenpeißenberg oder die Zugspitze haben sogar nur 2 Tage als Höchstwert. In früheren Oktobermonaten war aber die Gewittertätigkeit ebenfalls schon sehr rege:

  • Oktober 1998: Essen 5, Brocken, Emden und Norderney je 6 und Helgoland 7 Tage.
  • Oktober 1992: Helgoland und List auf Sylt je 5 Tage
  • Oktober 1986: Schwesing und Helgoland je 6 Tage
  • Oktober 1981: List und Schwesing je 6, Norderney 7 und Helgoland sogar 9 Tage!
Man sieht, dass es an der Küste und auf den Inseln im Oktober doch recht oft zu Gewittern kommt, was sicherlich an der noch recht hohen Wassertemperatur der Nordsee liegt, die für die nötige Labilisierung sorgt.

Am Schluss meines Rückblicks möchte ich mich heute mal wieder mit der Zuverlässigkeit von Zahlenangaben beschäftigen, genauer mit Aussagen zu extremen Daten von ersten oder letzten Schneefällen. In Otto Behres „Das Klima von Berlin“ (Berlin 1908) kann man auf Seite 140 lesen, es hätte in Berlin am 24.9.1898, am 24.9.1906, am 21.6.1821 und am 2.6.1837 geschneit. An allen vier Tagen hat es höchstwahrscheinlich nicht geschneit, wenn man sich die Temperaturwerte der betreffenden Tage ansieht:

  • 24.9.1898 Minimum 6,1°, Maximum 14,2° und Tagesmittel 9,1°C
  • 24.9.1906 Minimum 7,6°, Maximum 11,6° und Tagesmittel 8,9°C
  • 21.6.1821 Tagesmittel 12,0°C
  • 2.6.1837  Minimum 7,6°C, Maximum 12,0° und Tagesmittel 9,8°C
Carl Lang hat in seiner Ausarbeitung zu „Das Klima von München  nach 67jährigen Beobachtungen“ auf Seite 195 im Bayr. Met. Jahrbuch von 1882 ebenfalls eine Reihe von solchen Tagen angegeben: 9.9.1788, 21.8. 1830 und 16.6.1861. Auch hier kommt nach Überprüfung der Temperaturen die Ernüchterung:
  • 9.9.1788  Tagesmittel von 19,6°C (um 14.00 Uhr 25,2°C!)! Es gab allerdings ein Gewitter, bei dem es vielleicht gehagelt hat.
  • 21.8.1830 Ein regnerischer Tag mit Temperaturen zwischen 10 und 14 Grad
  • 16.6.1861 Minimum 10,1°, Maximum 26,2°C
Also auch hier in allen drei Fällen von irgendwelchem Schnee keine Rede!



Wolfgang Webersinke Daxstein, 10.11.2002

Letzte Aktualisierung 14.11.2002
Durch Wolfgang Webersinke