Witterungsbericht Juni 2002

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Und wieder liegt ein ganz extrem warmer Monat hinter uns: vom Rhonetal über die gesamte Schweiz und ganz Österreich spannt sich das Gebiet mit den (bis auf wenige Ausnahmen) höchsten Monatsmitteltemperaturen der letzten (mindestens) 150 Jahre!
Über Südbayern verläuft eine diffuse Linie, jenseits der der vergangene Juni „nur“ der wärmste der letzten 50 Jahre war. Die aus meinen Klimaarchiven stammenden Werte führten zu den veröffentlichten Diagrammen mit den vieljährigen Juni-Mitteltemperaturen vom Hohenpeißenberg und von Kremsmünster, sowie den Tagesmitteltemperaturen ausnehmend warmer Junimonate von verschiedenen Stationen.

Zunächst aber noch einige Daten von Zenting-Daxstein. Mit einer Mitteltemperatur von 16,4°C war es (zusammen mit 1935) der fünftwärmste Juni seit 1891 [1950 16,6 – 1915 und 1917 mit je 16,6 – Spitzenreiter 1930 mit 17,9°C]. 9 Gewittertage sind selbst für Juni recht zahlreich, am 20. hagelte es für 10 Minuten, bei einem Korndurchmesser von etwa 1 cm. Am 25. gab es Alpensicht und an 6 Tagen trat Nebel auf.

Nun aber zurück zur großen Wärme in Mitteleuropa im heurigen Juni. Exzessiv hohe Maxima gab es im Westen schon am 17.6. (Hürth/MM 37,9°C), aber am 18.6. wurden flächendeckend im Westen und Südwesten Deutschlands, teilweise in Österreich und in der Schweiz die höchsten Junitemperaturen seit mindestens 100 Jahren gemessen. An folgenden Orten war dies der Fall:

? Säntis   18,0°C
? La Chaux de Fonds  30,3
? Chur   33,8
? Jenbach/Tirol  35,5
? Emden   33,6
? Lingen   34,9
? Münster-Osnabrück  36,0
? Gießen   35,7
? Brocken   25,3
? Karlsruhe   37,2
? Mannheim   36,6
? Stuttgart/Flh.  35,0

In Emden und auf dem Brocken sind es die höchsten Juniwerte seit mindestens 1851, auf dem Brocken handelt es sich um den ersten Sommertag auf dem höchsten Berg Norddeutschlands in einem Juni überhaupt. In Karlsruhe teilt der 18.6.2002 den ersten Rang mit dem 27.6.1947. Manchmal fehlte nur ein Zehntel Grad Celsius bis zum Rekord (z.B. Kahler Asten mit 29,5° oder Klippeneck mit 30,4°C).

Vor allem in Österreich verliefen auch die Folgetage noch extrem heiß, wie die Maxima vom 20.6. (Waidhofen an der Ybbs 35,3°C) oder vom 23.6. zeigen (Klagenfurt 35,3°C, Graz-Thalerhof 36,3 und Leibnitz 36,8°C).

Die Monatsmitteltemperaturen sollen ebenfalls noch eingehender betrachtet werden. Im Gebiet vom Oberrheingraben bis nach Basel konnte 2002 den Juni 1976 nicht entthronen (z.B. Karlsruhe 20,4 gegen 21,0°C 1976 oder Basel 19,2 gegen 20,3°C 1976). In den Alpen war zum Teil 1950 (etwa in Oberstdorf) oder 1930 noch geringfügig wärmer (Zugspitze 3,2 gegen 3,3°C 1930 oder Garmisch-Partenkirchen 17,3 gegen 17,5°C 1930). Aber auch in Passau oder Metten blieb 2002 hinter 1930 zurück. In München/Stadt waren seit 1879 nur 1930 und 1950 wärmer. An großen Säkularstationen muss man teilweise weit ins 19. Jahrhundert zurück gehen, um noch wärmere Junimonate zu finden:

   2002 wärmer

? Zürich  19,3 1846 (20,5°C)
? Hohenpeißenberg 16,7°C 1822 (18,2°C)
? Kremsmünster 19,6 1822 (20,5°C)
? Klagenfurt  20,1 1834 (20,2°C)

Nun folgen die Stationen, bei denen 2002 absolut am wärmsten seit Messbeginn war:

? Lugano   21,7 seit 1864
? St. Gallen   17,8
? Bern   17,9 seit 1864
? Weißenburg/Bayern  18,9 seit 1879
? Sonnblick   2,9 seit 1887

Wegen der hohen Temperaturen kam es auch zu großen Gewitterniederschlägen, teilweise mit zerstörerischem Hagel, zuerst am 6. Juni:

? Wolfegg    82,3 mm
? Schwäbrig/Gais/CH   91,0
? Luzern    115
(davon 58,1 mm in 2 Stunden)
? Markt Wald/Schwaben  115,0
? Puchberg/A    86
? Kötschach-Mauthen/Kärnt.  100
? Gutenstein/NÖ   100
? Neulengbach/NÖ   103
? Miesenbach/NÖ   180
? Feichtenbach/NÖ   203

Von Luzern ist mir bekannt, dass es am 24.8.1944 dort schon einmal 110 mm in 25 Minuten geregnet hat!

Der 7.6. war weniger schlimm:

? Bruck/Oberpfalz  79,8 mm
? Feuerkogel/OÖ  88

Schließlich noch der 19.6.:

? Weiden   55,4 mm
(bei diesem Hagelunwetter handelt es sich
um das absolute Junimaximum seit 1879)
? Magdeburg   62,4 mm
(1955 und 1977 gab es hier schon
größere Junitagessummen)

Erwähnt werden muss noch der für Juni sehr tiefe Luftdruck am 5.6. München hatte 994 und Auxerre in Frankreich sogar 990 hPa. Vom Tornado in Wittenberg am 13.6. finden die Leserinnen und Leser einen eigenen Bericht in diesem MWB.



Wolfgang Webersinke

Letzte Aktualisierung 27.08.2002
Durch Wolfgang Webersinke