Witterungsbericht März 2002

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Der erste Frühlingsmonat  brachte wieder allerhand Berichtenswertes: wenige, aber umso ergiebigere Niederschläge mit Hochwasserfolgen, langanhaltende milde Witterung und vor allem in Südbayern eine stark überdurchschnittliche Sonnenscheindauer.

In Zenting-Daxstein gab es zunächst noch Nachtfröste, ab dem 5. März bis einschließlich dem 21. dann aber allenfalls Bodenfrost. Zu Monatsbeginn fiel noch etwas Schnee, am 7. 2,8 mm Regen; bei diesen insgesamt 5,1 mm blieb es bis zu den großen Niederschlägen vom 19. 22.3. Am 11. März war die bislang geschlossene Schneedecke zu Flecken abgetaut, erst vom 23. 25. erreichte sie noch einmal maximal 4 cm.

Der große Regen begann am 19.3. gegen 2.30 Uhr MEZ, bis zum Termin I waren es bereits 11,4 mm, am 20. morgens waren weitere 29,0 mm dazu gekommen. Den Vogel schoss der 20. selbst ab: bis zum Termin II hatte es 29,3 mm geregnet und bis zum Morgentermin am 21. nochmals 49,8 mm, macht zusammen 79,1 mm. Da zugleich in höheren Lagen die beträchtliche Schneedecke abschmolz, kam es zu einem außerordentlichen Hochwasser der Donau, mit einem Pegelstand von 940 cm in Passau. Dieser Wert war dort zuletzt im Juni 1965 überschritten worden. Für Daxstein bedeutete die Tagessumme vom 20.3. 2002 die zweitgrößte überhaupt im März seit 1895, das absolute Maximum war erst vor zwei Jahren aufgetreten: 103,7 mm am 30.3.2000. Mehr als 70 mm hatte es zuvor nur an zwei weiteren Tagen gegeben: 72,1 mm am 1.3.1906 (in jenem Jahr am 16.3. noch einmal 69,0 mm!) und 70,0 mm am 5.3.1914.

Nach dieser kurzen, sehr nassen Periode begann ein niederschlagsfreier Abschnitt mit sehr trockener Luft, das Tagesmittel der Luftfeuchtigkeit (dreiterminige Reihe) betrug am 29.3. 35 und tags darauf nur 34 %. Aber auch sonst war die Luftfeuchtigkeit meist recht gering, was sich auch an nur drei Nebeltagen zeigt. Ebenso oft konnte man auch die Alpen sehen.

Die extrem ergiebigen Niederschläge am 19. 3.2002 (Regensburg 21.3.) führten an einigen Stationen im Süden und Osten Bayerns sowie örtlich im Schwarzwald und  in Tirol, Salzburg und Oberösterreich zu noch nie beobachteten Tagesmaxima für März:

  • Kempten  62,9 mm (ab 1879)
  • Oberstdorf  78,5 (ab 1886)
  • Garmisch-Partenk. 72,8     (ab 1889)
  • Regensburg 36,5 (ab 1879)
  • Feldberg/Schwarzw.  84,8 (ab 1891)
  • Feuerkogel/OÖ 109
  • Reutte/Tirol  73
Noch weit größere Einzelwerte meldeten:

? Bad Wildbach-Calmbach 109,3 mm
? Wolpadingen  113,2
? Todtmoos   124,3
? St. Blasien   139,0

Bedingt durch die starken Niederschläge im Hochgebirge erreichte die Schneehöhe auf der Zugspitze am 25. März beachtliche 550 cm. In den letzten 40 Jahren war sie im März nur zweimal noch höher: 560 cm am 19.3.2000 und 600 cm am 19.3.1981.

Den großen Tagesmengen auf der Alpennordseite stand anhaltende Dürre südlich davon, vor allem in Kärnten und der Steiermark, gegenüber: sowohl in Graz wie auch in Klagenfurt erlebte man das trockenste Winterhalbjahr (Oktober 2001 bis März 2002) seit Beginn der Messungen (1848): Graz hatte in diesem Zeitraum nur 82 mm (= 32 % des Normalwertes), Klagenfurt 113 mm (= 34 %).

Die milde Witterung erreichte am 12. und 13.3. im Süden einen Höhepunkt, als mehrfach Tagesmaxima und Tagesmitteltemperaturen in alten Reihen überboten wurden (u.a. in München, am 13. auf dem Hohenpeißenberg, wo der alte Tagesrekord immerhin seit 1859 Bestand hatte, und in Karlsruhe). Noch deutlich wärmer war es am 20.3. in Locarno-Monti, als mit 27,3°C der schweizerische Wärmerekord für den März überhaupt eingestellt wurde; bislang hatte diesen Höchstwert Lugano mit je 27,0°C am 9.3.1950 und am 30.3.1929 inne.

Vor allem südlich der Donau erwies sich der heurige März als besonders sonnenscheinreich: sowohl in München (202 Stunden) als auch auf der Zugspitze (227 Stunden) wurde der sonnigste März seit immerhin 1953 registriert. Davor allerdings wurde der 2002er Wert mehrfach überboten (auf der Zugspitze z.B. 1948, 1933 und 1929). Die Münchner Reihe ist als Grafik am Ende dieses Berichts zu sehen.

Wolfgang Webersinke, Daxstein, 13.4.2002

Letzte Aktualisierung 29.09.2002
Durch Wolfgang Webersinke