Witterungsbericht Februar 2002

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


In der seit 1988 zu beobachtenden winterlichen Zirkulationsänderung markiert der Februar 2002 einen denkwürdigen Schwerpunkt mit großer positiver Wärmeanomalie gepaart mit zahlreichen Wind- und Sturmtagen und stellenweise Rekordniederschlägen in den nördlicher gelegenen Landesteilen Deutschlands.

Dies gilt größtenteils auch für Zenting-Daxstein, wo nur an drei Tagen negative Tagesmittel der Temperatur aufgetreten sind (21., 22. und 24.2.). Ganz außergewöhnlich waren dabei die 24 frostfreien Tage vom 21.1. bis zum 13.2. in einer Zeit, die normalerweise den Hochwinter bringt! In der milden Luft flatterte schon am 2. Februar der erste Zitronenfalter und an den Südhängen begannen tags darauf die Haselsträucher zu stäuben. Die zu Monatsbeginn noch 57 cm hohe Schneedecke zerfiel mehr und mehr und vom 16. 18.2. lagen nur noch Flecken.

Eine erste Niederschlagsperiode dauerte vom 6. 13.2. und lieferte insgesamt 63 mm Nass, das meiste als Regen. Mit dem 19.2. setzte dann häufig intensiver Niederschlag ein, der nun oft als Schnee fiel (20. morgens 24, am 25. sogar 26 cm Neuschnee). Am 20. wurden mit 56,2 mm wieder exzessive Mengen registriert; allerdings gab es schon zehnmal an einem Februartag seit 1895 mehr Niederschlag.
Der Durchzug der abendlichen Kaltfront brachte am 23. von 20.48 bis 20.55 Uhr auch ein mäßig starkes Wintergewitter.

Mit einer Mitteltemperatur von 2,6°C erlebte Daxstein den viertmildesten Februar seit 1891 (nach 1966 mit 3,4°, 1926 mit 3,3° und 1990 mit 3,1°; vgl. dazu die Grafik der Daxsteiner Februartemperaturen). 9 Frosttage sind auch sehr wenig. Nebel trat an 11 Tagen auf und Alpensicht genoss man immerhin 8 Tagen. Der Winter 2001/02 verlief insgesamt wieder 1,0 K zu mild und lieferte trotzdem stattliche 301 cm Neuschnee und 584,9 mm Niederschlag. Wie die Grafik der Winterniederschläge von Daxstein seit 1876/77 zeigt, handelt es sich dabei um den viert nassesten Winter hierorts überhaupt (Rekordhalter 1947/48 mit sagenhaften 952 mm).

In der monatlichen Übersicht im größeren (mittel-) europäischen Rahmen möchte ich mit den zahlreichen Sturmereignissen beginnen und hier die markantesten Windspitzen (km/h) nennen:

  • 4.2.  Borkum   144
  • 10.2. Erdinger Moos/Flh. 122
  • 24.2. Jungfraujoch  233
  • 26.2. Borkum   170
  • Hallig Gröde  159
  • Boltenhagen  140
Vor allem in der ersten Monatshälfte erklomm die Temperatur stellenweise Rekordwerte:
  • 2.2.  Ihringen/MM  20,7°C
  • Mühlacker/DWD 20,1
  • Öhringen  20,0
  • Bourges/F  20,1
  • Biarritz/F  23,3
  • Tarbes/F  24,0
  • 3.2.  Feldkirch/A  21,5
  • Vaduz/FL  21,3
  • Ruggell/FL  20,4
  • 4.2.  Sonthofen/MM  21,4
  • Ihringen  20,4
  • 12.2. Kapfenberg  22,9
Der Hohenpeißenberg erreichte am 3. Februar mit 18,2°C den zweithöchsten Wert in einem Februar überhaupt (nach 18,7° am 29.2.1960 und zusammen mit den 18,2° vom 26.2.1900); bemerkenswert ist allerdings das Auftreten dieses Maximums am Februaranfang! Das Tagesmittel vom 2.2.2002 mit 11,1°C ist aber vom 2.2.1809 noch überboten worden (12,7°C). An diesem Tag sind auch in Bremen und Berlin die Tagesrekorde gefallen, ebenso wie am 5.2. und für Berlin allein nochmals am 9.2. Ganz besonders mild war überdies die Nacht vom 12. auf den 13.2. : Minimum in Freiburg im Breisgau 12,2° und in Wien/Hohe Warte 12,4°C.

Der Februar  war zwar extrem mild, er erreichte aber nirgends die bisherigen absoluten Extreme, z.B.:

  • Wien/Hohe Warte 6,7° (1966: 6,9°C)
  • Bamberg  5,4   (1966: 5,5°C)
  • Geisenheim  6,8   (1966: 7,0°C)
  • Passau  4,4   (1966: 4,7°C)
Zur Illustration der Februarmitteltemperaturen langjähriger Reihen habe ich Excel-Tabellen für München, Bamberg, Geisenheim und Aachen zusammengestellt.

Am 11. und 12.2.2002  traten im Norden und in der Mitte große Tagesniederschläge auf:

  • 11.2.  Hamburg/Flh.  30,3 mm
  • Torfhaus  56,8
  • Brocken   57,4
  • Braunlage  63,4
Für Hamburg bedeutet das die größte 24stündige Februarmenge seit mindestens 1876 (alte Höchstmenge 27 mm). Auf dem Brocken fielen am 3.2.1909 schon 77,7 mm, in Braunlage am selben Tag 74,5 mm.
  • 12.2. Flörsbach  50,7
  • Wasserkuppe  56,5
Für die Wasserkuppe ist dies der höchste Februar-Tagesniederschlag seit Stationsgründung 1923 (bisher 48,5 mm am 6.2.1984).

In fünf voneinander abgegrenzten Gebieten Deutschlands vermochte sich der Februar 2002 zum nassesten dritten Wintermonat seit mindestens 1901 aufzuschwingen. Das beigegebene Kärtchen zeigt diese Gegenden durch Schraffur: ein kleineres um Greifswald; das größte zusammenhängende vom südlichen Schleswig-Holstein über Elbemündungsgebiet und Lüneburger Heide sich, schmaler werdend, über das südliche Mecklenburg-Vorpommern hinziehend und bei Angermünde an der Oder endend; stellenweise im Harz; in der Rhön und im Thüringer Wald sowie den Rhein entlang von Köln bis Mannheim mit einem Ableger bis ins Saarland. Einige markante Werte seien aufgeführt:

  • Angermünde 83 mm (bisher 75)
  • Cuxhaven  120 (bisher 106)
  • Hamburg  133 (bisher 113)
  • Kiel   115 (bisher 107)
  • Lübeck  124 (bisher 101)
  • Marnitz  115 (bisher 99)
  • Saarbrücken-Ensheim      165 (bisher 158)
  • Schleswig  146 (bisher 129)
  • Soltau  137 (bisher 118)
  • Wasserkuppe 247 (bisher 159)
Zur besseren Verdeutlichung sind auch hier die Februarniederschläge von Geisenheim/Rheingau und von Hamburg in ihrer Gesamtheit wiedergegeben. 

Wegen der häufigen Sturmtiefs war vor allem im Norden die Gewittertätigkeit für einen Wintermonat enorm rege: Boltenhagen, Essen und der Brocken meldeten je 6 Gewittertage. Aber auch hier gilt, alles schon mal dagewesen. Der Februar 1990 hatte ebenfalls an drei Stationen 6 Gewittertage: Hamburg-St. Pauli (ehemaliges Seewetteramt), Braunlage und ebenso wie heuer auf dem Brocken.
 
 
 
 
 
 
 
 
 






Wolfgang Webersinke, Daxstein, 09.3.2002

Letzte Aktualisierung 29.09.2002
Durch Wolfgang Webersinke