Witterungsbericht Januar 2002

für Deutschland, Österreich und die Schweiz


Die auffällige Zweiteilung des zweiten Wintermonats 2002 war auch in Zenting-Daxstein sehr deutlich spürbar: einer kalten Periode mit winterlich-trockenen Tagen (vom 1. - 19.) stand eine milde und recht niederschlagsreiche Phase bis zum Monatsschluss gegenüber. Dabei war es bis zum Heiligdreikönigstag oft sonnig, danach bildeten sich häufig Nebelfelder (vom 7. - 23. täglich Nebel!). Mit dem 19.1. 2002 ging auch die längste Dauerfrostperiode seit dem Winter 1984/85 zu Ende (heuer 20 Tage vom 31.12.2001 bis 19.1.2002, damals 21 Tage vom 24.12.1984 bis 14.1.1985). Auffällig auch, dass mit dem 20. Januar 2002 dann eine sehr lange frostfreie Zeitspanne begann, die bei Erstellung des Berichts (11.2.) noch nicht zu Ende war!

Bis zum 18. Januar belief sich die Niederschlagsmenge erst auf 6 mm, danach gab es mehr oder weniger ergiebige Schnee- und Regenfälle, die allein am 27. die hohe Summe von 54,7 mm lieferten (Haidmühle/MM 53,5 mm); das ergab den höchsten Tagesniederschlag für Daxstein im Januar seit dem 22.1.1976 (65,4 mm) bzw. die acht-höchste Tagesmenge im Januar seit 1895 (absolutes Januar-Maximum: 86,9 mm am 3.1.1917). Die zu Monatsbeginn noch 117 cm hohe Schneedecke hatte bis zum letzten Januartag auf 59 cm abgenommen. Insgesamt gab es 18 Nebeltage und 8 Tage mit Alpensicht.

Im größeren Rahmen fallen die tiefen Temperaturen zu Monatsbeginn und die sehr hohen Werte ab dem 27.1. 2002 auf:

- 4.1. Morgenröthe-Rautenkranz - 26,6°C
- 5.1. Haidmühle   - 24,8
- 5.1. Morgenröthe-Rautenkranz - 24,7
- 6.1. Morgenröthe-Rautenkranz - 26,1
- 28.1.Perpignan/F   20,9°C
- (= Jahrhundertrekord)
- 28.1.Berlin-Dahlem   15,2
- 28.1.Straubing   14,6
- 28.1.Weil am Rhein   17,4
- 29.1.München-Trudering  18,4
- 29.1.Wien/Hohe Warte  18,7
- 29.1.Wiener Neustadt  19,3
- 29.1.Wien/Innere Stadt  19,5
- 29.1.Eisenstadt   20,5
- 30.1.La Chaux-de-Fonds/CH 16,7
- 30.1.Hohenpeißenberg  17,2
- 30.1.Adelboden/CH   17,2
- 30.1.Altenstadt-Schongau  21,0

Für fast alle aufgeführten Stationen bedeutete dies den absoluten Höchstwert für Januar (in Berlin-Dahlem zugleich mit dem 10.1.1991). Zum Teil wurden die alten Rekordwerte deutlich überboten: auf dem Hohenpeißenberg um 0,8 K, in Wien sogar um 2,0 K!

Werte von über 20 Grad sind im Januar sehr selten. Mir sind nur 20,0°C von der Hohen Wand/Hochkogel (17.1.1993) und 20,2°C von Innsbruck-Kranebitten (24.1.1993) bekannt.

In München/Stadt wurde am 30.1.2002 der alte Januarrekord vom 12.1.1993 (18,9°C) knapp um 0,6 K verfehlt. Sehr spürbar waren an zwei Tagen sehr hohe Temperaturminima, und zwar am 27. und 28.1. (9,8 und 9,4°C), noch wärmer war es nur am 24.1.1993 mit 10,1°C. Ähnlich hohe Minima gab es vorher nur am 3.1.1925 (8,8°) und am 1.1.1921 (9,4°).

Generell war es im Januar 2002 zu trocken, dennoch traten am 26. und 27.1. im Norden und in den Mittelgebirgen große Tagesmengen auf (siehe Daxstein!):

- 26.1. Oldenburg 32,2 mm
- 27.1. Schmücke  55,2
- 27.1. Hohenstadt/Alb 75,3

Für Oldenburg ist es der größte Januarwert seit mindestens 1931 und die Schmücke hat nur noch am 2.1.1948 mit 56,0 mm noch etwas mehr zu bieten (Reihe ab 1891).

Deutliche Trockenheit herrschte in weiten Teilen des Alpenraums, teilweise in Süddeutschland, aber auch punktuell weiter im Norden:

- München/Stadt  10 mm
- Innsbruck   9
- Stuttgart/Stadt  9
- Villacher Alpe  5
- Klagenfurt   3
- Radenthein   1
- Lienz/Osttirol  0

In München hatten nur die Januarmonate 1997 (1,6 mm), 1887 (7) und 1873 (7) noch weniger zu bieten (ab 1848), in Innsbruck immerhin sieben Januare seit 1901. Auf dem Hohenpeißenberg nimmt 2002 mit 10 mm zusammen mit 1885 und 1925 die vierte Stelle seit 1879 ein. Die drei Grafiken verdeutlichen die Januarniederschläge an den Orten Stuttgart-Schnarrenberg, Innsbruck und Villacher Alpe (bis einschließlich 1937 die Werte des Obir!). Das Fehlen ergiebiger Niederschläge auf der Alpensüdseite ist nun schon seit Ende Oktober 2001 zu beobachten.

Bemerkenswert ist auch die hohe Sonnenscheindauer an einzelnen Stationen: die 106 Stunden von München wurden nur 1999 (124 Stunden) und 1990 (120 Std.) überboten (ab 1901). Görlitz hatte mit 105 Stunden auch geringfügig mehr als im bisher sonnigsten Januar von 1955 (104,2 Std.); diese Reihe besteht aber erst seit 1946! In Chemnitz wurden 120 Stunden erreicht (bisheriges Maximum 119 Stunden im Jahr 1989; Reihe ab 1943). In der seit 1884 bestehenden Zürcher Datensammlung steht 2002 mit 78 Stunden an dritter Stelle nach 1999 und 1993.

Auch orkanartige Böen fehlten im Januarprogramm nicht:

- 28. Boltenhagen  140 km/h
- 31. Berlin-Buch  131
- (bei kräftigem Gewitter!)



Wolfgang Webersinke, Daxstein, 11.2.2002

Letzte Aktualisierung 29.09.2002
Durch Wolfgang Webersinke