Daxstein-Wetter

VdA-Vereinstreffen

 

1. VdA-Treffen 1985
in Onstmettingen
2. VdA-Treffen 1987
in Schaffhausen

3. VdA-Treffen 1989

in Neu-Isenburg/Geisenheim

4. VdA-Treffen 1991
in Markt Schwaben
5. VdA-Treffen 1993
in Münster
6. VdA-Treffen 1995
in Kall/Eifel

7. VdA-Treffen 1997

in Jänickendorf

8. VdA-Treffen 1999 
in Heuchelheim
9. VdA-Treffen 2000
im Harz und Brocken
10. VdA-Treffen 2003 
in Benediktbeuern
11. VdA-Treffen 2005 
in Neuenhagen
12. VdA-Treffen 2008
in Frankfurt

 

7. VdA-Treffen 1997 in Jänickendorf

 

Die Fahrt zum 7. VDA-Treffen in Jänickendorf war für einige Teilnehmer eine lange Anreise. Gegen Spätnachmittag fanden sich fast alle bei Marco Ringel zusammen, wo unter den Mitgliedern nicht nur Erinnerungen vom 1995er Treffen in Kall in der Eifel ausgetauscht wurden, sondern auch reichlich über die Wetterextreme der jüngeren Vergangenheit geplaudert wurde. Zwischendurch zeigte uns Marco seine umfangreich ausgestattete Station im Garten, wo wir uns zum Abend hin zum Grillen zusammenfanden. Die recht frischen Temperaturen erzwangen uns jedoch bald seinen Hobbyraum im Keller aufzusuchen, wo wir seine anschaulichen grafischen Darstellungen über das Klima seines Heimatortes und seiner Umgebung bestaunen konnten. Marco zeigte uns einige weitere Messgeräte, die er dort aufbewahrte; so zum Beispiel einen Schneeausstecher und einen Assmansches Aspirationspsychrometer. 
     Marco referierte anschließend über die Umstrukturierung des Deutschen Wetterdienstes "Messnetz 2000", was sich im ersten Moment gar nicht mal so schlecht anhört, aber für viele Bedienstete ernste Konsequenzen für ihr Privatleben bedeutet. So werden viele Stationen in vollautomatische Stationen umgewandelt, zahlreiche teilautomatisiert und nur wenige bleiben rund um die Uhr besetzt; womit die drei Kategorien von Stationen erklärt sind. Nur wenige werden von teilautomatischem Betrieb in eine sogenannte 1er Station aufgestockt, wie man es mit Bad Hersfeld vor hat.
     Eine für mich vorbildliche Wetterstation, wie Kassel, fällt dem Rotstift zum Opfer, weil eben ein Messort des Geophys (Fritzlar) in der Nähe stationiert ist. Es ist geplant, den Deutschen Wetterdienst mit dem Geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr zusammenzulegen. Am späten Abend fuhren die Teilnehmer, die ein Zimmer im Hotel "Zum Eichenkranz" gebucht hatten, nach Kolzenburg.
      Am 9. Mai ging es nach dem Frühstück zu Marcos zweiter Station im freien Feld am südlichen Rande seines Heimatortes gelegen. Auch diese Station ließ nichts missen, was sich an Ausrüstung für eine Wetterstation mit Messgeräten gehört.  Am frühen Vormittag noch fuhren wir dann gemeinsam nach Lindenberg zur Radiosondenstation, um einen Ballonaufstieg zu sehen. Bei herrlichem Wetter und überirdisch klarem Himmel herrschten geradezu ideale Bedingungen. In Lindenberg werden zu den synoptischen Hauptterminen zwei Aufstiege synchron durchgeführt – einen automatischen und einen in konventioneller Methode. Die mit Gas gefüllten Ballone, an denen die Radiosonden hängen, starten mit einem Durchmesser von ca. 2 Metern und können in den oberen Schichten der Troposphäre mehr als 10 Meter erreichen, bevor sie platzen und die Sonde dann zur Erde fällt. Gemessen werden Druck, Feuchte und Temperatur. Die Windgeschwindigkeit ergibt sich dabei aus der Fortbewegung der Sonden. Alle Parameter werden in der Bodenstation am Monitor verfolgt und aufgezeichnet. Als Energieversorgung der kleinen Messinstrumente dient eine sogenannte "Gewässerte Batterie". Der klare Himmel an diesem Tage machte es möglich, dass die Ballone während ihres Aufstieges lange visuell beobachtet werden konnten. Dr. Neisser, Herr Ahrensdorf und Herr Engelbart führten uns alle wichtigen Schritte bis in das Detail vor, und gaben uns viele fachliche Informationen. Nachmittags ging es dann zurück nach Kolzenburg, wo wir uns im Vortragsraum des Hotels "Zum Eichenkranz" zusammenfanden.
   Dort referierte Dr. Meinhold über Gewitteraktivität.
Die Zahl der Tage mit Gewitter alleine, erscheint wenig repräsentativ, um einen vorgegebenen Zeitabschnitt - Monat oder Jahr - hinsichtlich seiner Gewittertätigkeit einzustufen. Anzahl und Stärke der Blitze sowie zeitliche und räumliche Ausdehnung der Gewitter unterliegen stets beträchtlichen Schwankungen. Untersucht man die Gewitter mit einem Blitzortungssystem mit einem Empfänger, dessen Empfindlichkeit auf eine für wissenschaftliche Zwecke freigehaltene Frequenz von 27 KHZ eingestellt ist, ermöglicht dies eine detaillierte  Auswertung der Gewitteraktivität. Dieses Ortungssystem hat eine Reichweite von ungefähr 200 Kilometer. Dr. Meinhold regte unter den Mitgliedern an, ihre Gewitterbeobachtungen monatlich per Postkarte an ihn persönlich zu senden, um die Ergebnisse im MWB, möglicherweise in Form einer Karte zu repräsentieren. Es wäre schön, wenn sich möglichst viele daran beteiligen würden. Daran anschließend hielt der Protokollschreiber selbst einen Vortrag, der eine Ergänzung zu Dr. Meinholds Gewitteraktivität bildete.

"Cumulonimben aus der Sicht des Beobachters".
Bestimmte Wolkenformationen sind häufig Vorboten für Aufzug und Entwicklung von Schauer – und Gewitterwolken. Vornehmlich sind dies Altocumulus floccus u/o. castellanus, aus denen sich manchmal sogar selbst Cb-Wolken entwickeln.
    Isolierte und auch linienhaft angeordnete Cumulonimben wurden in einer Diaschau vorgeführt. Dabei ging es mir vor allem darum, auf besondere Gefahren hinzuweisen.
Grünschwarzer, lenticuiarisförmiger Böenkragen, gelblich bis grünlich verfärbter Himmel und Mammatuswolken sind nicht selten Vorboten bzw. Begleiter gefährlicher Wettererscheinungen, wie Hagel, Böenwalzen, Starkregen und auch Tornados. Grafiken über Zahl und Verteilung der Gewitterhäufigkeit im Laufe eines Jahres, Bilder von Blitzen und Unwetterschäden sollten meine Ausführungen anschaulich abrunden.
   Am 10. Mai fuhren wir nach Potsdam zur Säkularstation. Dort wurden wir von Herrn Ralf Schmidt empfangen, der uns über die Aufgaben dieser bedeutenden Beobachtungsstation auf dem dortigen Telegrafenberg unterrichtete. Seit 1893 wird hier gemessen und registriert - zum Wohle der Wissenschaft – und nicht zuletzt deswegen werden auch fast alle Klimaparameter konventionell gemessen.
Dabei erweckte das Erdbodenmessfeld die besondere Aufmerksamkeit aller Anwesenden, steigt man doch hier besonders tief hinab, wenn es um die Messung von Erdbodentemperaturen geht.
Neben den bei allen Wetterstationen üblichen 5, 10, 20, 50 und 100 cm, existieren da noch 2m, 4m, 8m und sogar 12 Meter, die allerdings in immer größeren Zeitabschnitten gemessen werden, da sich die Temperaturen in diesen Tiefen nicht mehr nach dem Tagesgang der Lufttemperaturen und den oberen Bodenschichten anpassen. So verläuft die Temperaturänderung in 12 Meter Tiefe genau invers dem Kalenderjahr. „Im Winter warm, im Sommer kalt". 
    Auch diese Tiefenthermometer werden in konventioneller Form gemessen, wobei die Geschicklichkeit des Beobachters herausgefordert wird. Das 12 - Meter Thermometer besteht aus zwei Teilen, nämlich einem acht Meter langen Teilstück und einer
vier Meter Verlängerung. Für die sichere Handhabung dient eine Halterung direkt am Messfeld, an das der „Lange Hannes“ und auch die übrigen überdimensionierten Tiefenthermometer für die Ablesung angelehnt werden können.
    Die Bibliothek war an diesem Tage leider nicht für uns zugänglich, dafür aber entschädigte uns Herr Ralf Schmidt, dessen Begeisterung für Wetter und Klima unverkennbar war, mit umfangreichen aktuellen Wetterinformationen, die er aus dem Computer nach unseren Wünschen herausholte und auch auch ausdrucken ließ. 
    Ob ECMF - Vorhersagekarten, ob Globales Modell oder Radarbilder, Bodenprognosen aus Reading oder aktuelle Meldungen deutscher Stationen. Ralf erfüllte jedem seinen Wetterwunsch und dies war auch eine geeignete Maßnahme, gegen das "Wetterkartenmangelsyndrom" unter denen schon einige - u.a. auch ich - litten.
Die Wetterkarten prognostizierten eine Hitzewelle zu Pfingsten, die, wenn auch nicht ganz so dramatisch wie vorhergesagt, eingetroffen ist.
    Nach dem Gruppenphoto, bei dem uns Herr Schmidt behilflich war, hieß es von dort Abschied nehmen und nach dem Mittagessen, das wir in einem guten Lokal in der Innenstadt zu uns nahmen, fuhren wir nach Teltow, wo uns Peter Rosenzweig seine Station zeigte. In herrlicher Schrebergartenlage, erweist sich sein Beobachtungsort als besonders geeignet für die Messungen, wenn auch die nahe Stadtlage zumindest eine Ieicht temperaturerhöhende Auswirkung erkennen lässt, so Peter.
    Am Abend fuhren wir dann zurück nach Jänickendorf, wo in der Gaststätte "Zur Eisenbahn" Spargelessen angesagt war.
    In Jänickendorf führte uns Marco dann seinen PC vor, in dem er das Programm von Feger&Co geladen hat. Dieses Programm, speziell für die Erfassung und Auswertung meteorologischer Parameter bestimmt, lässt das Herz eines jeden Wetter- und Computerfans höher schlagen. Es bedarf aber noch einiger kleiner Verbesserungen wie beispielsweise die Bildung des 10 - Minuten-Mittels der Windgeschwindigkeit, die lediglich auf der Summierung von Einzelwerten basiert und somit etwas ungenau erscheint, wie uns Marco erläuterte.
Am Sonntag dem 11. Mai hieß es nun wieder Abschied nehmen, von einem wirklich gelungenen VDA-Treffen, wobei die Höhepunkte abschließend nochmals erwähnt sein sollen.
   Das Dabeisein während eines Radiosondenaufstieges
und der Besuch der Säkularstation Potsdam waren sicherlich Ereignisse auf höchstem Niveau und Marco Ringel und Peter Rosenzweig und alle, die Ihm bei den Vorbereitungen halfen, haben sich viel Mühe gemacht und wohl das bisher beste Treffen organisiert.
Nun darf ich dann abschließend auf ein Wiedersehen beim 8. VDA-Treffen vom 13. bis 16. Mai 1999 in Heuchelheim und Fronhausen-Lahn hoffen und wünsche allen VDA-Mitgliedern weiterhin alles Gute.
Als Programmpunkte habe ich folgendes vorgesehen:
Besuch der Wetterstation Giessen und der Extremstation Fronhausen-Lahn, Botanischer Garten und Geografisches Institut in Giessen, vielleicht ein Besuch der Eishöhle in Frickhofen bei LimburglLahn mit Stadtbummel durch Limburg, sowie eine Wanderung durch das schöne Erlental im Krofdorfer und Wissmarer Forst - zwischen Giessen und Marburg gelegen.
Auch Vorträge sollten nicht zu kurz kommen. Da ich mit noch mehr Teilnehmern rechne, als in diesem Jahr, soll das 8. VDA-Treffen auch erstmals unter einem Motto stattfinden.
"Die Winterstrenge der Vergangenheit",
Es wäre schön, wenn einige Mitglieder darüber referieren könnten.
Besonders interessant sind überlieferte Erlebnisberichte, mit denen man nachvollziehen kann, wie sehr die Menschen damals unter der Winterkälte litten, wie sie häufig zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert in Mitteleuropa vorherrschte (sog. "Kleine Eiszeit")
Heuchelheim im Juni1997
F. Steinmüller

„Cb- und Hagelbruch!“

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